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Traditionelle Massagen im Test

Ganz sanft bis schmerzhaft stark: Die Bandbreite von Massagen ist groß. Ein Selbstversuch – und wie ein Experte Lomi Lomi, Hamam-, Thaimassage und Co. einordnet
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 15.10.2016

Massage für zwei? Bei einigen unserer neun Massage-Methoden gut möglich

istock/Braun S.

Goldenes Licht. Meeresrauschen. Eine Frau mit Wickelrock und Blumenhaarspange singt einen Segensgruß. Es handelt sich um eine fremde Sprache mit vielen Vokalen. Ich liege auf dem Bauch, auf mir ein warmes Badetuch.

Aber ich bin nicht in der Südsee, sondern mitten in München in einem Massagestudio. Die singende Frau ist Maren Wilkins, die mir schon Aerial Yoga gezeigt hat. Dabei hatte ich das Vertrauen gefasst, dass ich mich heute 90 Minuten massieren lasse.

Massagestudio Aloha Mana. Beim Klicken auf den Pfeil hören Sie den hawaiianischen Gesang der Masseurin Maren Wilkins

Wilkins bietet seit 15 Jahren rituelle hawaiianische Massagen an: Lomi Lomi, übersetzbar mit "einzigartiges weich-machen". Ursprünglich wurde diese Massage als Ritual eingesetzt, um Menschen auf neue Lebensabschnitte vorzubereiten, zum Beispiel vor beruflichen Veränderungen, Umzügen, Hochzeiten oder Priesterweihen. Wilkins singt immer noch. Beidarmig streicht sie warmes zitronig duftendes Öl großflächig über meinen Körper: Von den Füßen über die Beine, den Rücken und die Arme brandet die Massage wie eine Welle über mich. Berührungsängste sollte man bei Lomi Lomi besser nicht haben.

Kraft schöpfen durch entspannen

Karl-Werner Doepp vom Verband Physikalische Therapie sieht solche traditionellen Massagen als den Ursprung der ständig wachsenden Wellnessbewegung. Er hält sie aber auch für geeignet, um Heilbehandlungen bei Gesundheitsproblemen vorzunehmen. Per Berufsgesetz sind dafür jedoch nur Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten zugelassen. Auch die Berufsbezeichnung Masseur / Masseurin ist gesetzlich geschützt. Nur wer eine entsprechende Ausbildung an einer Berufsfachschule mit staatlicher Prüfung absolviert hat und die entsprechende Berufsurkunde besitzt, darf zu Heilzwecken massieren.

Das ist aber bei Anbietern traditioneller Massagen meist nicht der Fall. Um zu entspannen, können solche Massagen Doepps Meinung nach dennoch wertvolle Dienste leisten: "Wenn sich der Massierte danach wohlfühlt, können Körper und Geist wieder viel besser mit den Belastungen des Alltags umgehen." Wer allerdings akute Beschwerden hat, gehört in die Hand von dafür zugelassenen Therapeuten und sollte am besten vorab den Arzt fragen, ob eine Massage schaden kann.

Die Angebote an traditionellen Massagen reichen von sehr sanften Behandlungen, zum Beispiel mit Klangschalen, die auf dem Körper platziert und angeschlagen werden, bis hin zu kräftigen Massagen mit Bambusstöcken (siehe Bild 7 der Fotogalerie).

Es gibt aktive und passive Entspanner

Deshalb sollte man sich im Vorfeld überlegen, welche Art einem persönlich gut tut. Doepp teilt die Menschen in passive und aktive Entspanner: Passive Entspanner kommen bereits zur Ruhe, wenn sie sich auf leise Klänge oder sanfte Berührungen  konzentrieren. Zum Beispiel, wenn bei einer ayurvedischen Massage warmes Öl über die Stirn läuft. Aktive Entspanner würden dabei eher zappelig werden. Sie brauchen Massagen mit intensiven Reizen bis an die Schmerzgrenze. Werden Haut, Muskeln und Faszien (Muskelhüllen) so gereizt, reagiert der Körper im Anschluss mit stärkerer Durchblutung und einem Gefühl der Erholung.

Wilkins Finger, Hände, Unterarme und Ellbogen gleiten in fließenden Bewegungen über meinen Körper. Sie erspürt meine Verspannungen am Rücken. Beim Drücken auf die schmerzhaften Stellen weist sie mich an, nicht auszuweichen oder die Luft anzuhalten. Besser sei es, sich ganz auf tiefes Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Nicht immer einfach, weil sie beim Ausatmen nochmal den Druck verstärkt… Dann bewegt sie meine Arme in alle möglichen Richtungen, dehnt sie und wiegt sie in ihren Armen. Dabei singt sie wieder zu hawaiianischer Musik, die inzwischen das Meeresrauschen aus dem CD-Spieler abgelöst hat.

Durch Massage Ballast abwerfen

Ich überlege, wann man sonst derart umsorgt wird. Wahrscheinlich vor allem in den ersten Lebensjahren von der eigenen Mutter. Für Wilkins ist die Erinnerung an solche frühkindlichen Erlebnisse ein wichtiger Bestandteil des Rituals bei der Lomi Lomi Massage: "Wer sich bei der Massage an ein Stück heile Welt erinnert, denkt vielleicht stärker nach, was er derzeit mit sich herumschleppt und was er davon zurücklassen kann."

Nach einer Stunde drehe ich mich auf den Rücken. Jetzt bearbeitet Wilkins auch mein Gesicht. Die eingeölten Unterarme rollen über die Stirn, die Finger massieren die Schläfen, die Hände bedecken die Augen. Die Augen fest geschlossen fühle ich mich so entspannt, dass ich mich wundere, warum ich nicht einschlafe. Dann hält Wilkins meinen Kopf in den Armen und bewegt ihn. Zwischendurch bittet sie mich, ganz loszulassen, und lobt mich jedes Mal, wenn ich etwas lockerer werde. Soviel gelobt werde ich auch selten.

Gute Masseure sind achtsam

"Der Charakter einer Massage ist abhängig vom Charakter des Masseurs", sagt Doepp. Wilkins stimmt zu: "So wie bei Tänzern entwickelt jeder Masseur im Lauf der Jahre seinen ganz eigenen Stil." Dabei hält sie es für eine entscheidende Grundlage des Erfolgs, dass der Masseur achtsam ist. Er soll sich in den Massierten hineinversetzen und dessen Bedürfnisse erspüren. Weil die Massage so viel Konzentration erfordert, behandelt sie selbst maximal zwei Kunden am Tag. Doepp erklärt, dass der Masseur Respekt haben sollte vor dem Körper des Kunden, dessen Schmerzempfindlichkeit und Konstitution: "Bei einem Sportler, der fünfmal die Woche trainiert, liegen beispielsweise eine ganz andere Muskulatur und Knochenbau vor als bei einem Schreibtischarbeiter!" Darauf müsse sich der Masseur individuell einstellen. Massagewilligen rät Wilkins deshalb: "Passen Sie auf, wie der Masseur mit Ihnen als Person umgeht, und wie er mit Ihrer Haut und Ihrem Körper verfährt."

Als mir der Bauch im Uhrzeigersinn massiert wird, beginnt mein Magen laut und anhaltend zu knurren. Was mir peinlich ist, sieht Wilkins als gutes Zeichen an: "Das zeigt, dass innerlich etwas in Bewegung gerät" – wohl im übertragenen Sinn. Am Ende bekomme ich noch eine Fußwaschung. Sie tupft die Zehen mit einem flauschigen Handtuch ab. Eineinhalb Stunden sind vorbei. Vor der Behandlung hatte ich mich gefragt, ob ich so eine lange Massage durchhalte. Jetzt könnte es ruhig noch etwas länger dauern. Ich bin angenehm ermattet und fühle mich den Rest des Tages wohlig verlangsamt. Mit hochgezogenen Mundwinkeln.



Bildnachweis: Fotolia/Margit Power , Your Photo Today/BSIP, Jump Fotoagentur/Kristiane Vey, istock/Braun S., Getty Images/Camilo Morales, Imago Stock & People/blickwinkel, ddp Images/, istock/skynesher, Fotolia/Kzenon

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